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01.08.10
Paragliding Swiss Championship in Fiesch (VS)...
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Wettkampf Geschichte

Portrait

the Winner !

Nicht immer ist es so, dass die ganz grossen Erfolge als «Überraschungen» den Beginn einer imposanten Karriere anmelden. Steve Cox hat lange darauf warten müssen, als Weltmeister durch die Lüfte zu gleiten – doch jetzt kann er seine internationale Karriere mit eben einem solchen Titel ausklingen lassen.
 
Vor ein paar Jahren war in einem Porträt über Steve Cox zu lesen, dass er bis zu seiner fliegerischen «Pensionierung» durchaus noch Zeit habe, den einen oder anderen grossen Flug an den Himmel zu hängen. Und genau das hat er im Frühjahr'05 getan an den Weltmeisterschaften in Brasilien – er wurde, endlich, Weltmeister. Fünfzehn Jahre nach seinem ersten internationalen Start an den österreichischen Staatsmeisterschaften wurden seine Arbeit, sein Aufwand und sein Training mit dem Weltmeistertitel belohnt.
Cox, Aargauer mit britischen Wurzeln und einer starken Bindung zu Afrika, war im Laufe seiner Fliegerkarriere schon mehrmals ganz nahe dran an einem grossen Sieg; aber eben, nur nahe dran.
 
Wie fühlt man sich, wenn man schon mehrmals den ganz grossen Erfolg vor Augen gehabt hat, aber dann doch knapp scheitert?
Es nagt schon, vor allem, wenn man bereits zwei Mal einen World-Cup Sieg um lächerliche drei Punkte verpasst hat. Mir ist auch schon ein PWC-Gesamtsieg um nur 6 Punkt entgangen.
Wie wichtig ist der Erfolg für dich?
Ich glaube, wenn der Erfolg bei mir eine so wichtige Rolle gespielt hätte, wäre ich vermutlich nie so lange Wettkämpfe geflogen und damit wohl auch nie Weltmeister geworden.
 
Bis zu diesem Titel war es denn auch ein langer Weg. Steve Cox kam 1967 in Nigeria zur Welt. Seine Mutter, eine Bruggerin, war ihrem Mann, einem Briten, der sein Geld in der Klimatechnik verdiente, nach Westafrika gefolgt. Cox wuchs dort auf, genoss seine Schulbildung aber in England. Nach dem allzu frühen Tod des Vaters zog es die Familie zurück nach Brugg, wo Steve die Schulen beendete, eine Lehre als Elektromonteur absolvierte und sich an der Fachhochschule in Brugg-Windisch zum Elektroingenieur ausbilden liess. Eine Berufsausbildung, die auch heute noch Blüten trägt. Steve Cox ist, nach Lebensphasen, die vor allem von der Fliegerei bestimmt waren, jetzt in Vollzeit bei Siemens in Bern angestellt. Dieser für Cox ideale Job wird wohl auch seine nähere Zukunft bestimmen.
Doch werfen wir einen Blick zurück.
 
Seit wir uns das letzte Mal gesehen haben, ist viel passiert auf der Welt. Wie lief es dir auf der sportlichen Seite?
Eigentlich ist recht wenig geschehen in den letzten zwei Jahren! Viel Arbeit und wenig Flüge, könnte man sagen. Ich flog, berufsbedingt, nur etwa die Hälfte aller Wettkämpfe. Mein grösster Erfolg war wohl der zweite Platz am PWC-Lauf in Italien letztes Jahr. Neben den Wettkämpfen habe ich sicher ebenso viel Zeit ins Kite-Surfen investiert. Zur Zeit bin ich vom Kite absolut begeistert. Das ist eine total faszinierende Sportart.
 
Dass er sich die weltweite Wettkampffliegerei überhaupt leisten konnte, verdankt er nicht zuletzt auch der Mitarbeit mit zuverlässigen Sponsoren. Allen voran die Firma Advance, von der er sagt: «Ohne die Innovation, Kreativität und Genialität dieses Betriebs hätte ich wohl kaum soviel Erfolg gehabt.» Dazu kommt der Getränkehersteller Red Bull, der mit unlimitierten Büchsenlieferungen dafür sorgt, dass Steve Cox regelmässig und erfolgreich Flügel wachsen. Und auch Salomon trägt dazu bei, dass Cox beim Fliegen richtig ausgestattet an den Start gehen kann.
 
Du bist nicht mehr der Jüngste in der Szene. Woher kommt die Motivation Wettkämpfe zu fliegen?
Der Wettkampf als solcher ist der Reiz an der Fliegerei, da fliesst die Energie von alleine. Es macht mir einfach Spass in einem Pulk von Gleichgesinnten die Weite der Landschaft abzufliegen. Dazu kommen die neu entwickelten Wettkampfschirme von Advance, die muss man einfach fliegen. Es ist mir bis heute nicht verleidet in der Swiss League mit zu fliegen. Ich war einmal der Jüngste im Team und jetzt bin ich halt einer der Ältesten – so ist das Leben.
 
Trotz all der Begeisterung für die Fliegerei, die Wettkämpfe und das hervorragende Material konnte er in der letzten Saison nicht alle Läufe des World-Cups fliegen, zu gross war das Engagement im Beruf. So darf man es durchaus als eine Fügung des Schicksals betrachten, dass Cox in Brasilien für die Schweiz am Start war. Er bewarb sich als Joker für die WM und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Er schrieb dem Selektionskomitee tatsächlich einen Bewerbungsbrief, legte all seine Erfahrung und seine fliegerische und menschliche Ausgeglichenheit in die Waagschale – und wurde zu seiner freudigen Überraschung selektioniert. Ein weiser Entschluss der Selektionäre, wie sich in Brasilien zeigen sollte.
 
Bei Cox kam noch einmal das wunderbare Gefühl des Wettkampffiebers auf.
Seit dem Tag, als ich gewusst habe, dass ich mit nach Brasilien kann, habe ich jede freie Minute benutzt um mich auf die WM vorzubereiten. Ich habe praktisch alles an meiner Ausrüstung mitbestimmen können. Mein Gurtzeug habe ich selber zusammengestellt. Das perfekte Material war sicher mit ein Grundstein für meinen Erfolg.
Und dann die Weltmeisterschaft, der Wettkampf, an dem zum Schluss alles für Cox lief.
Die WM lief vom ersten Tag an so, wie ich es mir wünschte. Jeden Tag flog ich mit nur einem Ziel: «Fly high, fly cool and don’t land before goal»! Mein Vorteil an dieser WM waren die vielen Durchgänge, so konnte ich meine Konstanz unter Beweis stellen. Eigentlich hatte ich immer den Gedanken im Hinterkopf, gewinnen zu können, denn mein schlechtestes Gesamtresultat war der vierte Platz. Und als ich im letzten Lauf den seit sechs Tagen führenden Christian Tamegger landen sah, wurde mir richtig bewusst, dass ich die WM noch für mich entscheiden konnte.
 
Und so kam es auch. Steve Cox war - endlich - Weltmeister! Und er geniesst den Titel im Wissen, dass er in seiner Karriere, die ihn an mehr als 75 internationale Wettkämpfe geführt hat, schon so viele gute Resultate erflogen hat, dass er niemandem mehr beweisen muss, dass er diesen Titel zu recht trägt.
 
 
Text: Alexandre Kobel / Oberwil bei Zug / 17.5.2005